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Nordsee-Zeitung vom 29. Juli 2010

Eisbär Philipp Schwethelm im Trainingslager der deutschen Nationalmannschaft: Die härtesten Tage der Karriere

Von Oliver Riemann

Köln. Ein paar Tage Heimaturlaub bei den Eltern in Köln, aber seit zwei Tagen ist Eisbären-Spieler Philipp Schwethelm voll dabei. Der 21-jährige Flügelspieler, der erste A-Nationalspieler in Reihen der Eisbären Bremerhaven, schwitzt beim Vorbereitungs-Lehrgang des Nationalteams wieder für Deutschland. Schwethelms großes Ziel ist es, bei der Weltmeisterschaft in der Türkei (28. August bis 12. September) im Nationaltrikot dabei zu sein.

16 Spieler hatte Bundestrainer Dirk Bauermann mit zum Trainingslager nach Mallorca genommen. Chad Töpper, der in der zweiten spanischen Liga in Saragossa spielt, ist nicht mehr dabei. Bleiben noch 15 Spieler. Mit 12 Akteuren wird Bauermann dann zur WM fahren. „Ich glaube, letztlich gibt nicht die Leistungsstärke den Ausschlag, sondern welche taktischen Erwägungen der Bundestrainer hat“, meint Schwethelm. Leistungsmäßig seien alle Akteure auf Augenhöhe, da gebe es keine Unterschiede.

Töpper war einer jener Akteure, der auf Schwethelms Position spielt. Jetzt sind noch drei Flügelspieler dabei, die auf den Positionen drei und vier spielen können (Robin Benzig/Ulm), Konrad Wysocki/Turow Zgorzelec/Polen) und Elias Harris (Gonzaga University/USA). „Dann sind da Demond Greene (Bayern München), Lucca Staiger (Alba) und mir noch drei Jungs, die eher auf den Positionen zwei und drei zum Einsatz kommen“, sagt Schwethelm, der Dreier-Spezialist des Bremerhavener Bundesligisten.

Doch wie auch immer die Entscheidung Bauermanns ausfällt, der 21-jährige Eisbär hat die Vorbereitung genossen. Auch, wenn es manchmal auf „Malle“ sehr heftig zuging. Sechs Stunden Training standen täglich auf dem Programm, „manchmal waren wir so platt, dass sich einige übergeben mussten“, sagt Schwethelm. Zehn bis elf Liter Flüssigkeit habe er pro Tag zu sich genommen, „denn die Halle hatte keine Klimaanlage“. „Das waren die härtesten zehn Tage in meiner Basketball-Karriere“, sagt er. Aber es sei trotzdem prächtig gewesen.

Fünf Kilo abgenommen

Fünf Kilo Gewicht hat der Zwei-Meter-Mann verloren. Von den 94 Kilo sind noch 89 geblieben. „Keine Angst, ihr erkennt mich schon noch wieder in Bremerhaven“, sagt er lachend. Danach kommt die Einschränkung. „Na ja, vielleicht doch nicht, denn wir haben beschlossen, uns die Haare und einen Bart wachsen zu lassen, bis nach der WM“, gesteht er.

Philipp Schwethelm mit Bart? Das ist gewöhnungsbedürftig. Aber wenn es ihm gefällt. Darum geht es aber nicht. In erster Linie sind die Bärte etwas für das Zusammengehörigkeitsgefühl. Es mache schon „brutal Spaß“ mit den anderen Jungs, zumal sie eine ganz junge Truppe seien. Sieben Spieler gehören wie der Eisbär zu den Jahrgängen 1988/89. „Mit allen habe ich, von der U16 angefangen, die einzelnen Nationalteams durchlaufen. Wir kennen uns seit vielen Jahren“, sagt der 21-Jährige, der zu den „Küken“ gehört.

Die konditionellen Grundlagen sind vorhanden, nun geht es darum, das Spielerische zu verbessern. Dazu geht es nach Trier. Dort wird drei Tage lang trainiert, dann fährt die Mannschaft zu einem Vorbereitungsturnier ins niederländische Leiden. Gegner in den drei Partien (31. Juli bis 1. August) werden die Gastgeber, Belgien und Schweden sein – keine europäischen Top-Teams. Vom 6. bis zum 8. August fliegt der Tross zu einem Turnier nach Nikosia (Zypern). Dort heißen die Gegner Griechenland, Kroatien und Russland. Das sind Mannschaften, die bei der WM dabei sind, das sind richtige Kaliber.

Auch die Gegner beim letzten Test vor dem WM-Turnier sind nicht von Pappe. Beim Supercup in Bamberg (13. bis 15. August) spielt Deutschland gegen Litauen, Kroatien und WM-Gastgeber Türkei. Dann hofft auch Schwethelm („ich freue mich wahnsinnig auf meinen ersten Einsatz im A-Team“) noch zum Kader zu gehören. Wenn nicht? „Auch nicht schlimm, denn ich habe alles gegeben. Wenn es nicht reicht, greife ich nächstes Mal wieder an“, sagt er. Für seinen Klub, die Eisbären, hat die Sommerarbeit bei Dirk Bauermann einen Vorteil: „Ich komme fit wie ein Turnschuh zurück nach Bremerhaven.“ 

www.nordsee-zeitung.de

29.07.10
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